Auf ein Wort

"Suche Frieden und jage ihm nach" (Psalm 34,15b)
Andreas Strauß, Pfarrer
Bildrechte: ik

"Suche Frieden und jage ihm nach" (Psalm 34,15b) Das ist die Jahreslosung für das Jahr 2019. "Suche Frieden und jage ihm nach!" ist eine klare Empfehlung. Der Satz hat eine große Bandbreite. Und auch wenn die meisten ihn sofort mit äußerem Frieden und der (Welt-)Politik in Verbindung bringen, sollten wir dennoch zuerst dem "Frieden" in seiner ganzen biblischen Bandbreite nachgehen.

Wir denken bei "Frieden" oder "peace" an die Abwesenheit von Krieg oder wenigstens an das Schweigen der Waffen. Das ist an sich ein großes Ziel, die Sehnsucht nicht nur aller Menschen, sondern besonders derjenigen, die unter Kriegen und Konflikten weltweit leiden. Wie schön wäre hier "Frieden"!

Das biblische Wort für "Frieden" ist "Schalom". "Schalom" geht in seiner Bedeutung viel weiter als "Frieden" oder "peace". "Schalom" kommt vom hebräischen Wort "Schalem" (= vollkommen, ganz) und hat etwas mit "Unversehrtheit", "Vollständigkeit", "Ganz-Sein" zu tun.¹ Diese Unversehrtheit, dieses Ganz-Sein hat der Mensch mit dem Sündenfall (1. Mose 3) verloren. Seitdem leidet er an Unvollständigkeit in Bezug auf sich selbst, seine Mitmenschen und Gott. Gott wiederum tut alles, damit der Mensch in allen diesen Bereichen wieder vollständig wird. Man könnte die ganze Bibel unter diesem Aspekt lesen. Gottes Handeln mit Abraham, Isaak, Jakob, mit dem Volk Israel dient dem Ganz-Werden, dem Frieden.

Richtig ermöglicht wird Schalom, wird Friede durch Jesus Christus. Er ist der Friedefürst. Das werden wir an Weihnachten wieder feiern. Jesus verkündet allen Menschen die Liebe Gottes, die guten Gedanken Gottes ("Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.", Jer. 29,11). Jesus stirbt am Kreuz, damit wir Frieden haben können mit Gott ("Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten", Jes. 53,5). Wenn ein Mensch auf diese gute Botschaft reagiert, sein Leben für Jesus Christus öffnet und anfängt zu glauben, dann zieht Jesus, der Friedefürst, in das Leben ein. Die Beziehung zu Gott ist wieder ganz. Damit ist der wichtigste und innerste Punkt der Suche nach Frieden erreicht. Nun beginnt ein Prozess des Heilwerdens, des Ganzwerdens. Der Heilige Geist will unser Leben Stück für Stück heil werden lassen. Er will uns immer mehr Frieden, Schalom in unserem Leben erfahren lassen. Er tut es nur mit uns, nie gegen uns. Deshalb könnte die Jahreslosung an diesem Punkt auch umschrieben werden mit "Strebe danach, dass Gott dich und dein Leben heil machen kann, in sein Bild verwandeln. Öffne dich für den Heiligen Geist. Pflege deinen Glauben. Jage diesem Schalom nach."

brennende Kerzen
Bildrechte: ik

Dieser (innere) Frieden, den Gott durch Jesus Christus schenkt, soll und wird Auswirkungen haben auf unser ganzes Leben, unser Umfeld, unser Denken, Reden und Handeln. Wir werden Friedensstifter. Wir tragen dazu bei, dass dort, wo wir leben und arbeiten, Frieden sich ausbreiten kann. Frieden im Sinn von „Schalom". Allerdings beginnt der Friede nicht vor der Haustür. Er beginnt zu Hause, in der Wohnung. Dann breitet er sich auch vor der Haustür aus.

einfaches Holzkreuz vor Holzwand
Bildrechte: ik

Und dann kommt der "große" Frieden in den Blick. Niemand muss hier denken: "Was kann ich schon tun angesichts des Unfriedens in der Welt?" Jeder kann Friedensstifter sein durch sein Konsumverhalten, durch "Einmischen" und Mitgestalten in der Politik und vor allen Dingen durch sein Gebet. "Das Erste und Wichtigste, wozu ich 'die Gemeinde' auffordere, ist das Gebet. Es ist unsere Aufgabe, mit Bitten, Flehen und Danken für alle Menschen einzutreten, 'insbesondere' für die Regierenden und alle, die eine hohe Stellung einnehmen, damit wir ungestört und in Frieden ein Leben führen können, durch das Gott in jeder Hinsicht geehrt wird und das in allen Belangen glaubwürdig ist." (1. Tim. 2,1-4, NGÜ)

Ich wünsche Ihnen in diesem Sinn ein friedvolles Weihnachtsfest
und Gottes Segen im Neuen Jahr!

 

Ihr Pfarrer Andreas Strauß