Auf ein Wort: Sehnsucht nach guter Laune und nach dem heilen Leben

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder, Jugendliche und Erwachsene,

das Frühjahr weckt in uns Menschen eine neue Sehnsucht. Mir geht es jedenfalls so: Ich habe eine Sehnsucht danach mich aufzumachen, Neues zu erleben, etwa in der Natur. Die eine freut sich aufs neue Gartenjahr, wenn alles anfängt zu wachsen und zu blühen. Der andere freut sich auf Fahrradtouren oder Wanderungen. Die wärmer werdenden Tage treiben uns nach draußen in die Sonne und an die frische Luft.

Umso mehr leiden vielleicht manche darunter, die krank sind und dadurch vieles nicht mehr so tun können wie gewünscht. So wächst im Frühjahr auch die Sehnsucht nach Gesundheit, nach einem heilen Leben. Dabei richtet sich die Sehnsucht nicht nur nach körperlicher sondern auch nach seelischer Gesundheit. Wer niedergeschlagen ist oder unter einer Depression leidet, fühlt sich umso schlechter, wenn er sich zurückzieht, statt nach draußen zu gehen. Da helfen oft alle eigenen Vorhaben ebenso wenig wie die Ratschläge und Aufforderungen anderer. 

Woher kommen die negativen Gefühle, die einen daran hindern, fröhlich und gelassen zu sein? In einem Psychologie-Magazin habe ich über neue Forschungen dazu gelesen, welche Bedeutung gesundes Essen neben ausreichend Schlaf und Bewegung für die Psyche haben. Das Gehirn braucht Ressourcen an vielfältigen Nährstoffen, um die Eindrücke bearbeiten zu können, die permanent einströmen. Das leuchtet mir ein: wenn das Gehirn ausgezehrt ist, wird es träge. Wenn dann eine Stresssituation entsteht, reagiert es wütend, verletzt oder verängstigt.

Vegetarische Lasagne, Schlaf und Spaziergänge gegen schlechte Laune? Die Psychologie setzt hier in der Forschung einen Gegentrend gegen die streng auf Gesprächsführung ausgerichtete Psychoanalyse sowie gegen Pillen für jedes Problem. 

Die Erkenntnisse entsprechen dem, was landläufig bekannt ist: Kochkurse liegen hoch im Trend und wem das zu aufwendig ist, der findet leicht gute Rezepte im Internet. Mir ist außerdem die Stimme meiner Mutter im Kopf, die jeden Sonntag zum Sonntagsspaziergang auffordert. Es schadet sicher nicht, sich mal wieder bewusst zu machen, wie wichtig Schlaf, Bewegung an der frischen Luft und gesundes Essen sind. Körper und Seele hängen zusammen. Und über das, was dem Körper gut tut, darüber freut sich auch die Seele.

Dazu fällt mir noch mehr ein. Zur Zufriedenheit und zu einem positiven Lebensgefühl helfen doch auch schöne Musik, ein gutes Buch, ein nettes Gespräch. Wahrscheinlich und hoffentlich weiß jeder selbst, was ihm persönlich gut tut.

Das Psychologie-Journal versucht natürlich, sich religiös neutral zu halten.Dabei hält Gott noch einiges mehr bereit. Er spricht nicht nur unsere Psyche oder unseren Körper an, sondern er spricht zu uns in unserer Existenz und kann damit unsere Seele zum Schwingen bringen. Er hat etwas für uns, das unserer Seele und unserem Körper gut tut, was uns Menschen fröhlich stimmen kann. Jeden Sonntag dürfen wir aufs Neue Gottes gute Nachricht hören, dass Gott uns seine Liebe, seine Treue und Gnade geradewegs zusagt. Dazu
erklingt Musik und wir dürfen auch selbst singen, dürfen im Gebet unsere Seele ausschütten und uns als Teil einer großen Familie erfahren. Und wer zu Fuß zur Kirche kommt, kann den Kirchenbesuch gleich mit einem Spaziergang verbinden.

Man muss nicht warten, bis es einem miserabel geht, um zu merken, dass einem etwas fehlt. Der Seele, unserer Psyche und unserem Körper kann so ein Kirchenbesuch dabei helfen, in gesunder seelischer Balance zu bleiben. Im Gottesdienst können wir eine Botschaft verinnerlichen, die uns das heile Leben im Reich Gottes zusagt. Etwa wie im Spruch des Ostermonats April 2020:

Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. (1. Kor 15,42)

Was uns für die Zukunft verheißen ist, kann uns schon heute Freude machen. So gewinnt Jesu Leben, sein Tod und seine Auferstehung aus längst vergangenen Tagen Bedeutung für unser Leben heute. Denn er hat uns das Heil für unser Leben angekündigt.

Auch in der Passionszeit, in der Karwoche, an Ostern und danach darf ich mich gemeinsam mit Ihnen freuen auf Gottesdienste, gespickt mit den freundlichen Worten unseres HERRN, tiefgehenden Gedanken, ergreifender Musik, ehrlichen Gebeten und auf echte Begegnungen zwischen uns Feiernden.
Und sicherlich wird auch der ein oder andere Spaziergang und das ein oder andere gesunde Essen keinen Schaden tun.

Ihr Pfarrer Samuel Fischer