Auf ein Wort

  

Im Anfang war’s auf Erden noch finster, wüst, und leer;
Und sollt was sein und werden, musst es woanders her.
So ist es zugegangen im Anfang, als Gott sprach;
und wie es angefangen, so geht’s noch diesen Tag.
Alle gute Gabe kam oben her, von Gott,
Vom schönen blauen Himmel herab.

(M. Claudius)

Liebe Gemeinde,

Diakon Friedrich Wiesinger

2004 musste aus Sicherheitsgründen eine Pappel vor der Kirche gefällt werden. Eine Leerstelle war entstanden. Aber finster, wüst und leer wie im Anfang auf Erden war es hier bei der Kirche wirklich nicht; denn unsere Johanneskirche stand weiter an ihrem angestammten Platz. 65 Jahre ist es mittlerweile her, seit die Kirche eingeweiht wurde. Und vor 15 Jahren wurde an Stelle der gefällten Pappel ein blühendes Kirchenbeet von Mitgliedern des Gartenbauvereins, allen voran von Grete und Gerhard Kissel, mit Zustimmung unseres Kirchenvorstandes angelegt und seitdem auch gehegt und gepflegt. Zur Freude aller, die zur Kirche und in unser Gemeindehaus kommen. Dass da etwas wächst und blüht ist keine Selbstverständlichkeit, sondern eine Gabe Gottes, wie so vieles, was in unserer Kirchengemeinde Tag für Tag geschieht.

Der Gott der Bibel braucht uns, ob jung oder alt, gesund oder krank, Mann oder Frau, um die Welt und unser Zusammenleben in seinem Sinn zu gestalten und bewahren. Es geht um etwas wirklich Großes, um Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung. Wir werden das nicht wirklich schaffen. Aber mit Gottes Beistand können wir unseren Teil beitragen. Ganz persönlich. In der Familie. Am Ort, wo wir leben. Im Kindergarten. In der Schule. Am Arbeitsplatz. In der Kirchengemeinde. In unserem Land. In dieser Welt. 

Beim Besuch der Dekanin Hanna Wirth hat sich gezeigt, wie zahlreich und vielfältig Menschen sich in unserer Kirchengemeinde engagieren. Ein Beispiel war die Gesprächsrunde mit Frauen und Männern der Generation Ü60, die beim Geburtstagsfrühstück, beim Besuchsdienst, beim Begegnungsnachmittag, bei der Bruckmühler grünen Schürze oder dem Feldkirchener Kirchgartenteam, beim Bautrupp, bei der Tafel, beim Seniorenmittagstisch und dergleichen aktiv sind. Dass es viele kleine und große, junge und alte Menschen, Frauen und Männer gab und gibt, die mit viel Liebe, Kraft, Zeit und Phantasie ihren Teil beitragen, damit unsere Kirchengemeinde ein Ort sein kann, wo Gott wirken kann, wo auf ihn vertraut und darum gebetet wird, dass sein Reich komme, dass sein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden, das ist nicht selbstverständlich. Und dass seit vielen Jahren auch in unserer Kirchengemeinde nicht nur gesät und gepflanzt wurde, sondern dass da vieles wachsen und gedeihen konnte, lag nicht allein an uns und an allen, die da vor uns waren. Vieles war und bleibt ein Geschenk.

Der Dichter Matthias Claudius hat unseren Auftrag und das, was wir tun können, aber auch was wir nicht schaffen können und was uns geschenkt ist, in seiner Erzählung "Paul Erdmanns Fest" beschrieben:

Wir pflügen, und wir streuen den Samen auf das Land;
Doch Wachstum und Gedeihen steht nicht in unsrer Hand.
Der tut mit leisem Wehen sich mild und heimlich auf,
Und träuft, wenn heim wir gehen, Wuchs und Gedeihen drauf.
Er sendet Tau und Regen, und Sonn- und Mondenschein,
Er wickelt seinen Segen gar zart und künstlich ein,
und bringt ihn denn behende in unser Feld und Brot;
Es geht durch unsere Hände, kommt aber her von Gott.

In all dem Guten, was da bisher geschehen ist und geschieht, dürfen wir eine Gabe Gottes sehen, die er uns da zukommen lässt. Darum dürfen wir uns vom Liederdichter einladen lassen und einstimmen ins Danken:

Alle gute Gabe kommt her von Gott, dem Herrn,
drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn!

Dass wir vieles auf den Weg bringen, pflanzen und säen, das ist und bleibt unser Auftrag. Das Wachsen und Gedeihen liegt in Gottes Hand. Dass dabei unser Leben und Miteinander von Gott gesegnet ist, wünsche ich uns allen.

Es grüßt Sie herzlich
Ihr Diakon Friedrich Wiesinger